Einen passenden Sattel für so ein Kaltblut zu finden, ist natürlich auch keine einfache Angelegenheit...!

Der erste Sattel, den ich für Rieke gekauft habe, war ein Sommer-Dressursattel mit Kammerweite 33. Ich wollte alles richtig machen und habe einen Sattler bestellt, der mehrere Sättel mitgebracht hat und für das damals grade angerittene Pferd eben diesen Sattel empfahl. Ich wollte einen Dressursattel, da bei den breiten Pferden die VS-Sättel bisher immer ganz anders lagen und meine Knie überall waren, aber nie da, wo die Pauschen waren. In der Regel hatte ich mindestens eine Handbreit Platz zwischen Knie und Pausche.

Den Sattel hatten wir knapp zwei Jahre. Dann kaufte ich günstig einen Wintec Pro VS, von dem ich völlig begeistert war. Das Kopfeisen war nicht austauschbar, aber der Sattel trennte die vordere Naht auf, bog das Kopfeisen auseinander und nähte wieder zu. Mit dem Sattel war ich sehr zufrieden, ob Rieke auch, das kann ich heute nicht mehr sagen. Eine Bekannte von mir hatte dann für ihr Pferd den Wintec 2000 gekauft, und da mein älterer Wintec langsam Ermüdungserscheinungen hatte und ich damit rechnen musste, im Laufe des nächsten Jahres die Gurtstrupfen und solche Dinge auszutauschen, habe ich ihn verkauft und mir einen Wintec 2000 mit Cair gekauft. Da Rieke dann ja auch länger stand und Muskeln abbaute, machte ich mir Gedanken über die Passform und überlegte, wie man das ständige Auf und Ab in den Griff kriegen könnte. Bei meinen Recherchen bin ich auf den baumlosen Torsion gestoßen. Das Konzept gefiel mir, nur wurden irgendwann die Preise drastisch erhöht. Als ich auf Barefoot gestoßen bin, habe ich mit dem Hersteller bzw. Vertreiber in Verbindung gesetzt und die Adresse einer Barefoot-Reiterin in meiner Nähe erhalten, damit ich mir den Sattel dort einmal live anschauen konnte. Ich war angenehm überrascht und machte einen Termin mit der Fa. Barefoot zum Probereiten aus. Das Probereiten hat mich überzeugt, und ich habe einen solchen Sattel bestellt. Belächelt von Miteinstellern ritt ich von da an baumlos. Die lächelnde Miteinstellerin hat sich übrigens nach einem Proberitt auch einen gekauft.

Am Anfang gab es Probleme mit der Grandeur-Decke, die sich im hinteren Bereich immer nach links zog. Da die (teure) Decke dazu dient, die Wirbelsäule frei zu halten, machte ich mir ernsthafte Sorgen. Barefoot konnte das nicht nachvollziehen, dass die Decke sich bewegt. Grandeur war einsichtiger und bot mir an, kostenlos eine Haftauflage aufzubringen. Nachdem ich dann noch eine Befestigungsstrippe für den hinteren Ring angebracht hatte, war es okay, die Verschiebung noch da aber stark reduziert.

Nach einem halben Jahr gingen rechts die Gurtstrupfen in die Brüche, die Löcher rissen aus. Ich sah, dass das Leder rechts nur halb so dick war wie links und informierte Barefoot. Barefoot übernahm nach einigem Zögern die Kosten für das Anbringen neuer Gurtstrupfen. 2003 bemerkte ich links einen weißen Querstreifen in Riekes Fell. Der Form nach tippte ich auf das Selett, das ich daraufhin austauschte. Der weiße Streifen blieb. Auch über Winter, wo wir nicht fuhren. Irgendwann fuhr ich zufällig mal mit der Hand unter den Sattel und bemerkte erschrocken, dass sich eine Art Innengurt ganz scharfkantig unten abzeichnete. Nachdem ich bis dahin schon das Gefühl hatte, ein Montagsmodell zu haben, verkaufte ich den Sattel und kaufte einen Torsion. Der Qualitätsunterschied ist enorm. Das Leder ist viel fester, dicker, in sich gefetteter, alles besser verarbeitet, der Sattel in sich viel stärker gepolstert und stabiler. Die Grandeurdecke saß von Anfang an einwandfrei, womit klar wurde, woher das Problem eigentlich gerührt hatte...

Damit bin ich lange geritten, sogar Wanderritte:

Beim Wanderritt im Westerwald im September 2004 hatten wir Gepäcktransfer (eine feine Sache!!), da ging das ganz toll mit Torsion. Ein Jahr später war ich drei Tage mit vollem Gepäck unterwegs, da fing Rieke im hinteren Bereich des Rückens trotz guter Polsterung an, nachzugeben. Sie ist im hinteren Bereich ohnehin empfindlich, und der Sattel kann leider gar nichts verteilen, das heißt, das Gepäck drückt da, wo es liegt.

Da ich von längeren Touren träumte, dachte ich an einen Wanderreitsattel und bin nach vielen Recherchen, langen Überlegungen und Gesprächen beim Sommer Evolution hängen geblieben, den ich mir im Frühjahr 2006 für Rieke mehr oder minder maßfertigen ließ. Der Sattel wurde nach Messgitter extra für Rieke (und meinen Allerwertesten) gebaut und eine Sonderanfertigung Kopfeisen (38,5!) eingebracht. Mein Messpad behauptet, der Sattel sitzt einwandfrei. Rieke läuft locker und zufrieden, und ich fühle mich rundum sicher und glücklich damit. Die Auflageflächen und die Wirbelsäulenfreiheit sind riesig, alles ist weich gepolstert, das Leder ganz toll!

Und weil es noch nicht reicht und man ja an keinem Schnäppchen einfach so vorbeigehen kann, ist seit März 2007 noch ein Torsion XtraLight im Haus, der sich auch ganz toll macht und dem man die drei Jahre Weiterentwicklung gegenüber dem Standard ganz schön anmerkt: Er ist in sich noch stabiler geworden, das SympaNova gibt zusätzliche Stabilität und verhindert ein Rutschen. Und natürlich konnte ich die Finger nicht davon lassen und habe ihn ein wenig "aufgepeppt".

Auch dieser Sattel ist inzwischen wieder gewichen und musste einem American Flex Endurance Lite Platz machen. Mich hat die Idee fasziniert, dass auf dem Pferderücken sich ununterbrochen was anpasst und Bewegungen mitmacht. Mir kam natürlich gleich meiner erster Rucksackurlaub 1991 in Griechenland in den Sinn, für den wir uns ältere Rucksäcke mit Außengestell geliehen hatten. Wer so etwas schon einmal länger getragen hat, weiß, dass man sich vorkommt wie eine Schildkröte und sich dauernd gestört fühlt. Die heutigen Rucksäcke sind doch etwas ganz anderes und folgen der Bewegung. Das müsste doch auch dem Pferd gefallen, oder nicht? American Flex verkauft es so. Tatsächlich passen sich die Panels Riekes Rücken sowohl in der Breite als auch vom Schwung her an. Bei jeder Bewegung sieht man die Panels in Aktion. Bei ganz engen Kurven (Spitzkehren) kracht es sogar ein bisschen. Bergab bewegt sich mehr als bergauf. Der Sitz selbst ist ruhig, aber untendrunter spürt und sieht man die Bewegung. Mein Carola-Pad behauptet, die Auflage ist gleichmäßig und lang nicht so groß wie die Panels vermuten lassen.