Also, eigentlich habe ich nie davon geträumt, ausgerechnet ein Kaltblut zu besitzen. Klar, schön fand ich sie schon immer, und ich habe mir auch schon oft vorgestellt, wie es sein muss, auf einem solchen Paket geballter Energie zu sitzen. Aber dass für mich selbst so ein Pferd in Frage kommt, daran habe ich nie gedacht. Dazu gibt es bei uns in der Gegend auch zu wenig Kaltblüter, als dass man sich darüber Gedanken machen könnte. Und ein eigenes Pferd? Das war nur ein Traum.....

Nach jahrelanger Pflegepferdbetreuung habe ich nach dem Verlust meines letzten Pflege-Haflingers von jemandem gehört, der Schwarzwälder hat und wegen fortgeschrittenen Alters nicht mehr allzu viel mit ihnen machen kann. Den habe ich dann angesprochen, ob ich seine Pferde reiten könnte. Wir waren uns sympathisch, und so bin ich zum ersten Mal auf Kaltblütern geritten. Diana war zu der Zeit 8 Jahre alt, ging eher selten vor der Kutsche und war noch nie geritten worden. Kinder haben mal drauf gesessen, aber das war auch alles. Wir haben uns aber recht schnell arrangiert, und da mein früherer Hafi sehr ängstlich war und wir deshalb auch schon einen bösen Unfall hatten, habe ich die Ruhe richtig genossen, die dieses Pferd ausstrahlte. Gut, es konnte manchmal schon nerven, Diana beizubringen, dass eine Wiese nicht nur dazu da ist, sie kahl zu fressen, aber irgendwann hat auch sie verstanden, dass man da herrlich drüber galoppieren kann. Mit dem großen Unterschied zu vielen anderen Pferden: ohne dabei heiß zu werden.

Der Besitzer von Diana züchtete Schwarzwälder, von denen natürlich auch immer mal eines verkauft werden sollte. Seine Zuchtstute, Bella, hatte inzwischen drei Stutfohlen, von denen das erste bleiben und die beiden anderen verkauft werden sollten. Ich habe noch auf der Kaltblutschau geholfen, für das mittlere Fohlen, Rieke, einen Eigentümer zu finden, aber die Menschen hatten alle kein Interesse mehr, als sie hörten, dass die zweijährige Rieke weder eingeritten noch eingefahren ist. Erschütternd, aber die gleichen Fragen wurden uns auch zum Jährling gestellt. Der Jährling wurde mit zwei Jahren verkauft, Rieke war dreijährig immer noch auf dem Hof. Ich habe angefangen, sie zu longieren. Es war nicht einfach am Anfang, aber ich mochte sie, weil sie freundlich und intelligent war. Ich habe mir dann irgendwann überlegt, dass ich den Traum vom eigenen Pferd nun entweder wahr machen oder begraben müsste. Auf was wollte ich eigentlich noch warten? Ich habe mich mit meinem Freund abgesprochen und habe meine Rieke gekauft.

Wir haben sie inzwischen acht Jahre; sie bestimmt einen Großteil unserer Freizeit und ist zu dem Partner geworden, den ich immer haben wollte. Ein zuverlässigeres Pferd kann ich mir nicht wünschen. Eine Lebensversicherung im Gelände und vor der Kutsche und trotzdem für jeden Spaß zu haben!