Je mehr man sich damit beschäftigt, desto mehr Sorgen und Gedanken kann man sich ja machen.... Es fängt mit den inzwischen üblichen Überlegungen an, ob Beschlag wirklich sein muss (in unserem Gelände? - Ja!), und wenn ja, in welcher Form usw. Unser erster Hufschmied, von dem ich an sich sehr viel hielt, nahm sich meinen Fragen an und argumentierte immer, dass ich ein sehr schweres Pferd mit sehr kleinen Füßen hätte, das in unserem doch sehr harten Gelände ohne die üblichen Hufeisen aus Metall nicht zurecht käme. Ich wollte einmal Kunststoff probieren und hatte bei ebay auch ein günstiges Probe-Paket Hippotech-Beschlag ergattert, das sich aber leider als nicht passend erwies. Rieke hat Hufe, die verhältnismäßig lang und schmal sind. Deshalb hatte ich es dann auch aufgegeben, mir Gedanken über Kunststoff oder Hufschuhe zu machen, da für diese unmögliche Form nichts passendes zu finden ist.

Nichtsdestotrotz machte ich mir Gedanken, da Rieke mit dem linken Vorderhuf immer "kippelte". Mir hatte man bei der Stutbuchaufnahme schon gesagt, dass Rieke auf der Außenkante auffuße, und ich war völlig fasziniert, was die alles sehen. Inzwischen sah aber ein Blinder mit Nachtlicht, dass Rieke außen auffußt, innen ungefähr 1/2 bis 1 cm Luft ist, und sie dann über die Innenkante abrollt. Wenn sie stand, stellte sie den Huf meistens nach außen weg. Das kann nicht gesund sein....!

Im Sommer 2002 waren wir auf der Euro-Cheval in Offenburg, und ich hatte vorher in der Cavallo gelesen, dass die von Biernat gegründete Hufpflege-Gesellschaft anbietet, anhand von Fotos Hufe zu beurteilen. Warum nicht? Ich habe also beim Hufschmied-Termin vor der Messe Riekes Füße fotografiert: vorher - nachher, und diese Bilder (s. u.) mitgenommen und den Stand dieser Gesellschaft aufgesucht.

Dort haben sich insgesamt drei Leute die Bilder betrachtet und mir berichtet, dass die Delle, die Rieke vorne auf dem Huf hat, besagt, dass sie einen Sehnenstelzfuß habe. Man machte das anhand eines Modells deutlich, und Fazit all dessen, was man mir sagte, war, dass Rieke nicht mehr lange laufen würde, wenn ich sie weiter so beschlagen würde. Dieser Sehnenstelzfuß sei unheilbar, aber man könne das Übel zumindest eindämmen.

Ich war in Panik. Glauben oder nicht glauben? Was tun?

Kurze Zeit später fuhr ich zu einem Chiron-Springkurs auf den Mühlenhof. Die Kursleiterin, ihres Zeichens Tierärztin und manuelle Therapeutin für Pferde, bot an, auch außerhalb des Springkurses für unsere Sorgen da zu sein. Also habe ich meine Chance ergriffen und sie gefragt, ob sie sich denn mal Riekes Hufe anschauen könnte.

Das hat sie getan, mir einiges von meiner Panik genommen und mir anschaulich erklärt, dass Rieke viel zu eng beschlagen sei. Dazu sei die Sohle schief, was Rieke derartig zum Kippen brächte. Sie hat mir ein Buch empfohlen, das ich mir gekauft und gleich studiert habe, und dort habe ich auch noch einiges gelernt, das ich mit meinem Hufschmied besprechen wollte.

Ich war also gerüstet für unseren nächsten Termin und habe den Schmied auf Riekes Kippeln angesprochen und ihm berichtet, dass ich auch eine Tierärztin dazu befragt hätte. Er sagte, es sei normal, dass nach 8 Wochen schiefem Ablaufen die Eisen so ungleich seien, dass Rieke abkippe bei ihrem Gang. Als ich ihm sagte, dass die Tierärztin aber nicht nach 8 Wochen drauf geschaut hätte, sondern eine Woche nach Beschlag, wurde er sauer, weil ich seine Arbeit in Frage stellte und mir einbildete, ein Schmied könnte aus meinem Pferd mit diesen schiefen Beinen ein Gangwunder zaubern. Das Ende vom Lied war, dass er sich weigerte, Rieke noch einmal zu beschlagen, mir aber sagte, was man alles hätte besser machen können (keine Vidia-Stifte, größere Eisen, was er aber nicht machen würde, da Rieke sie abreißen könnte, etc.), er aber nichts mehr mache, weil ich ihm unterstelle, er arbeite nicht ordentlich und ich schnellstens zusehen sollte, einen neuen Schmied oder Hufpfleger zu finden, da es inzwischen an der Zeit sei.

Prima. Das mit dem neuen Schmied erwies sich als sehr schwierig, da die einen keine Termine frei hatten, andere meinem alten Schmied nicht ins Gehege kommen wollten, und ich in Zeitdruck war und mich schon selbst die Eisen runternehmen sah.

Um mir Luft zu verschaffen und in der Hoffnung auf Hilfe habe ich in der Lehrschmiede der Veterinärmedizin in der Uni Gießen angerufen und mein Problem geschildert. Ich bekam kurzfristig einen Termin und machte mich auf die Reise, die sich sehr gelohnt hat. Der Schmiedemeister dort schaute Rieke an und ließ sie mich dann vorführen im Schritt und Trab. Das ganze wurde gefilmt, und ich wurde dann gebeten,  mir mit ihm den Film anzuschauen. Wir haben ihn mehrmals angeschaut, und ich sollte erst mir auf die Schulter achten, dann auf das Stück bis zum Karpalgelenk usw. bis letztendlich der Huf dran kam. Bei dieser Analyse stellten wir fest, dass die Beine gerade sind, Rieke bodeneng läuft (soll gut sein für die Ackerfurche habe ich mir sagen lassen, daher Kaltblut-typisch) und das einzig schiefe die Hufe sind. So. Rieke wurde neu beschlagen, der Maestro hat vor allem außen die Wand gekürzt, innen so gut wie gar nichts weggenommen und die alten Eisen wieder drauf gemacht. Danach wurde sie wieder gefilmt. Die Beine waren natürlich immer noch grade, aber das Gekippel war fast weg.

Glücklicherweise hatte ich dann neuen Schmied gefunden, der sich Rieke ausgiebig betrachtet und sich meine Sorgen angehört hat. Der Beschlag sah zwar nicht mehr so "schön" aus, schien mir aber wesentlich sinnvoller zu sein als der alte.

Seit Oktober 2003 war Rieke mit NBS (Natural Balance Shoe) beschlagen, was ihrem Abrollen nicht über die tatsächliche Mitte sehr entgegen kam.

Inzwischen ist einige Zeit vergangen, und es hat sich wieder einiges getan. Der leidige Winter 2003/2004, der wieder mal verdeutlichte, dass man es immer verkehrt macht, egal wie man es anpackt - nämlich die Beantwortung der Frage "Grip ja oder nein?" hat mich dazu gebracht, es einmal barhuf mit Hufschuhen über den Winter versuchen zu wollen.

Ich habe Rieke im Oktober 2004 die Eisen abnehmen lassen, nachdem ich mich bereits im Sommer schon mit dem Thema Schuhen ausgiebig beschäftigt hatte und für hinten welche "maßschneidern" ließ. Leider passen laut "Hufschuhdoktor" auf Riekes schmale lange Hufe keine üblichen Schuhe, so dass die Größe 0 hinten aufgeschnitten und verlängert werden musste. Ich hatte mich für Easyboots entschieden, da diese keine Eingewöhnungsphase haben und ich mir vorgestellt habe, dass es so praktischer ist, wenn ich zwischen Sommer und Winter und Hufschuhen und Eisen wechseln möchte. Für die Vorderhufe habe ich Größe 2 gebraucht gekauft, habe sie aber nicht passend gekriegt. Einige Sachen waren defekt (die seitlichen Messinghülsen, also habe ich welche aus Edelstahl gekauft, der Trachtenriemen schien zu lang...), die ich alle ausgetauscht habe, aber trotzdem haben wir die Schuhe ständig verloren.

Parallel hatte ich mir von jemanden aus den USA die BOA mitbringen lassen. Die haben mich völlig fasziniert, und inzwischen bin ich überzeugt, dass es fast unmöglich ist, diese Schuhe zu verlieren. Ich bin gespannt, wie sie sich in der Haltbarkeit machen, zumal wir schon erste Probleme hatten: Das Edelstahlseil, das den Schuh verschließt, ist aus der Halterung gerutscht, und es ist ziemlich schwierig, das wieder einzufädeln, zumal Werkzeug in Deutschland bisher kaum erhältlich ist.

Sicherheitshalber hatte ich nach dem Abnehmen der Eisen gleich Keralit geschmiert, und ich war richtig begeistert, wie Riekes Hufe die ersten 8 Wochen überstanden haben. Dann hatten wir den nächsten Ausschneidetermin, und ich habe das dumpfe Gefühl, als wäre es unserem Hufschmied nicht so recht, dass Rieke barfuß geht. Er hat mehrere abfällige Bemerkungen in Bezug auf Kaltblut und barhuf gemacht und Rieke derartig kurz geschnitten, dass sie kaum noch laufen kann. Selbst jetzt, nach 10 Wochen, sind die Hufe immer noch viel zu knapp. Rieke wird kaum noch geritten (was aber auch damit zusammen hängt, dass ich nach einem Unfall nicht reiten kann und darf), und ich hoffe, dass die Hufe fleißig wachsen und gedeihen....!

So, das Thema geht natürlich weiter. Man hat Rieke beim nächsten Termin zwar nicht zu kurz geschnitten, aber genauso schief wie früher, und ich war verzweifelt. Hufe schneiden und raspeln kann ich auch. Mir ging es um Korrektur, zumal die Füße immer noch viel zu klein waren.

Ich habe im Internet gesucht und bin auf den nächsten Hufschmied gestoßen, der Riekes Hufe ebenfalls viel zu klein befand. Und schief und steil... Rieke wurde vorne mit Kunststoff (Easywalker), hinten mit Eisen beschlagen, und die Hufe weiteten sich sichtbar. Im Herbst haben wir dann versucht, rundum mit Kunststoff zu beschlagen, allerdings hatte der Hersteller nicht nur die Farbe des Beschlages, sondern wohl auch die Zusammensetzung verändert, so dass die Beschläge nach 4 Wochen am Ende waren. Den Wanderritt im Oktober 2005 bin ich daher mit Hufschuhen gegangen.

Da die Hufe größer geworden sind, passte nun ein Teil der Hufschuhe nicht mehr. Die BOA konnte ich komplett vergessen, die hinteren Easyboots sitzen satter denn je und sind nicht mehr abzukriegen. Wir haben jetzt für vorne eine ähnliche Konstruktion gemacht, und Easyboots der Gr. 2 hinten aufgeschnitten und verlängert. Und die sitzen bisher auch bombenfest. Inzwischen sind alle Hufschuhe "beschlagen", da Rieke auch die Sohlen alle klein kriegt, aber das ist nicht das große Problem. Mein Hufschmied unterstützt mich auch mit barhuf und Hufschuhen, und ich hoffe, dass die Hufe sich weiterhin positiv entwickeln werden.

Jetzt haben wir Januar 2007, und wieder ist einiges geschehen. Der Kunststoffbeschlag hat mich an sich vom Kunststoff überzeugt, aber nicht, wenn die Sache nach 4 Wochen rutschig wird bzw. die Teile abfallen. In einem Forum bin ich im Frühjahr 2006 zufällig auf die Beschreibung der von einem Hufschmied entwickelten Duplo-Beschläge gestoßen, die mir gefallen hat. Auch das, was ein Schmied im Forum über die Wirkung und Verarbeitung dieses Beschlages geschrieben hat. Ich habe also alle Informationen ausgedruckt und meinem Schmied in die Hand gedrückt und hatte die Hoffnung, dass wir beim nächsten Termin über den Probeeinsatz sprechen könnten. Irgendwie haben mir die Teile aber keine Ruhe gelassen, also habe ich Riekes Hufe vermessen und mich mit dem Hersteller in Verbindung gesetzt.

Das Konzept klingt logisch und für Rieke gut geeignet: die Beschläge sind in kleinsten Abstufungen (4 mm) in rund und oval erhältlich, habe eine weiche Dämpfung und eine Metalleinlage, die das Verwinden des Kunststoffs verhindern soll.

Ich habe, nachdem der Hersteller mir angeboten hat, mir eine ganze Auswahl-Kiste zu schicken, von denen ich die nicht passenden Beschläge zurückschicken kann, einfach mal Duplo bestellt und den Schmied damit konfrontiert. Der hatte die Ausdrucke gelesen, wohl selbst schon mit Herrn Frank gesprochen und fand es einen Versuch wert.

2006 ist für mich ein Duplo-Jahr mit Höhen und Tiefen geworden. Die Beschläge sind Klasse, Rieke hat Gänge entwickelt, die mir doch tatsächlich Mühe gemacht haben, sie noch sitzen zu können. Sie hat die Beine ganz anders geworfen, und ich hatte das Gefühl, jetzt trägt sie Joggingschuhe. Das hat mich durchhalten lassen, denn die Haltbarkeit der Duplo hielt sich zum Teil sehr in Grenzen. Für den Schmied sind sie relativ einfach zu verarbeiten: die kleine Größenabstufung und die Formen machen ein starkes Bearbeiten der Beschläge unnötig. Das Nageln in den Querlöchern ist gewöhnungsbedürftig, hat er aber schnell gemeistert. Man kann normale Nägel verwenden, die etwas versenkt werden.

Der heiße Sommer hat leider dazu geführt, dass die verschiedenen Kunststoffarten sich voneinander lösen und seitlich wegplatzen. Sobald die Nagelköpfe abgerieben waren, fielen die Beschläge einfach ab. Nun ist Rieke sicherlich ein Extrem-Pferd, das auch breitere Eisenbeschläge in 8 Wochen papierdünn läuft. Da der Hersteller sich über Feedback freut, habe ich ihm viel die Ohren vollgejammert. Mein Schmied hat zwischendrin mal gefragt, nachdem er immer mal wieder nach 4-6 Wochen kommen musste, ob ich wirklich weitermachen wolle. Nach dem Vortraben hat er zugegeben, dass Riekes Bewegungen sich derartig offensichtlich positiv verändert haben, dass es allen Verdruss Wert ist. Wir haben festgestellt (nach diversen Tipps), dass 5 Minuten Jogging auf hartem Boden vor dem Verschließen der Nägel ein seitliches Verschieben verhindern, da alles nochmal zusammengedrückt wird. Blieb nur noch die Haltbarkeit. Die Firma Frank hat aber auch daran kräftig gearbeitet und mir immer mal andere Beschläge geschickt.

Ende Oktober 2006 haben wir beschlossen, den Barhuf-Winter einzuläuten. Ich bin zwischenzeitlich in einen anderen Stall gezogen und hatte Hoffnung, dass das gut funktionieren könnte. Leider war Rieke auf den "Riesen-Rasen-Gittersteinen" nach 4 Wochen so runtergelaufen, dass der Schmied nicht wusste, wie er einen Beschlag aufbringen soll. Duplo hatte die neuste Sorte geschickt, und wir haben gebibbert, ob sie halten, weil keine Substanz zum Nageln mehr drauf war. Und waren beide überrascht, dass bis auf den Verlust eines Nagels nach über 7 Wochen die Duplo Anfang Januar 2007 noch hervorragend saßen. Von dieser Sorte habe ich nun eine ganze Kiste daheim und bin völlig begeistert davon. Selbst der anfangs skeptische Schmied ist inzwischen ein völliger Duplo-Verfechter geworden.

Duplo-Beschlag Sommer 2006

Man sieht das seitliche Auffußen sehr deutlich:

Hier noch ein paar Bilder, die ich damals der GdHK vorgelegt habe.

Man sieht genau, dass die Vorderhufe nicht parallel stehen...


       

        vorne links          vorne rechts            hinten

Nach dem Termin:

       

 

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